Julian Heissler mit seltsamem Wikileaks-Artikel auf Tagesschau.de

Der Artikel von Julian Heissler, der 12.08.2016 11:32 auf Tagesschau erschien hat mich stark verwirrt. Ein paar Details möchte ich genauer beleuchten.

Heissler zitiert Daniel Domscheit-Berg:

Wer heute noch bei WikiLeaks landet um etwas öffentlich zu machen, der verfolgt damit bestimmte Ziele. Mit einem moralischen Anspruch hat das meist nichts mehr zu tun.

Das Zitat und auch die zitierte Person sollten wir anschauen. Wer auf der politischen Bühne agiert als Politiker oder Aktivist, wird immer eine Agenda haben. Das ist wenig überraschend. Und auch Whistleblowing wird immer ein Ziel verfolgen. Whistleblowing findet immer im Spannungsfeld zwischen Moral, Agenda der Leaking-Plattform sowie der Frage der Inhaltlichen Aufbereitung und / oder Redigierung statt.

Daniel Domscheit-Berg ist ein intelligenter Mensch, der gute Gründe hatte bei Wikileaks auszusteigen. Festzuhalten ist aber auch, dass er mit seiner Leaking Plattform OpenLeaks[1] gescheitert ist. Wer weiß, vielleicht ist er ja Mitarbeiter beim Zeit / Sueddeutsche / Spiegel-Verbund, die des öfteren einige Leaks veröffentlich haben. Dort haben leider oft die Daten gefehlt und es wurden nur wenig Teile des Datensatzes veröffentlicht. Da ist Wikileaks radikaler. Berechtigte Kritik bleibt, wenn das Redigieren komplett ausbleibt, wie Edward Snowden zu recht in seinem Tweet vom 28.07.2016 22:21h moniert.

Interssant finde ich die Kritik, dass Wählerdaten aus der Türkei veröffentlicht wurden. Diese Veröffentlichung ist sicher in Frage zu stellen. Aber leider vergisst Herr Heissler die entscheidende Frage: Wie kann es sein dass so viele Wählerdaten weltweit geleakt werden? Ebenso, wieso werden solche Daten per Email Pateiintern durch die Gegend gesendet? Und wer hatte demzufolge bereits vor der Veröffentlichung schon Zugang? Da die Daten unverschlüsselt verschickt wurden schon mal BND und NSA – juchuu. Hier ein paar Wählerdaten-Leaks der letzten Zeit:

  • 2015-12-28: 191 Mio. Datensätze zu US Wählern [2]
  • 2016-01-03: 56 Mio. Datensätze US Wähler [3]
  • 2016-04-21: 93,4 Mio. Datensätze aller mexikanischen Wähler [4]
  • 2016-04-22: 55 Mio Datensätze philippinischer Wähler [5]

Nun kommen wir zu meiner Kritik an Tagesschau.de und Julian Heissler: Die Entscheidende Frage, wie es sein kann, dass solche massiven Datensätze an die Öffentlichkeit gelangen, wird nicht gestellt.

Eines muss ganz klar sein: Daten sind immer so sicher, wie die Security mit der sie behandelt werden. Und wie wir an zwei illustrativen Beispielen, Sony Hack 2014 [6] und den Bundestags Hack 2015 [7], gelernt haben, ist Security ein kompliziertes Geschäft. Auch hier hat jeder Player eine Agenda.

Doch die entscheidende Frage wird nicht gestellt: Wie kann es denn dann der richtige Weg sein, Daten immer mehr zu zentralisieren und auf verdachts-unabhängige Vorratsdatenspeicherung zu setzen, de fakto Video-Vollüberwachung in allen öffentlichen Verkehrsmitteln sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr zu haben, Kameras an öffentlichen Plätzen mit Zoom-Fähigkeiten, dass selbst Inhalte von Mobiltelefonen auf dem Bildschirm mitgelesen werden können, massenweise Funkzellen-Abfragen der Polizei bei Demonstrationen, Kennzeichenerfassung durch Mautbrücken, den BND auf den Internet-Knotenpunkten wie DE-CIX sitzen zu haben, und so weiter und so fort.

Und die zweite entscheidende Beobachtung die keinerlei Erwähnung findet: Als Journalist sollte man sich bei Unzufriedenheit mit Wikileaks doch zügigst an die eigene Nase fassen und überlegen, was es für Alternativen gibt. Die Leaking Plattform von DDB ist es schon mal nicht. Zwar haben einige wenige Zeitungen die Option, ihnen sicher Informationen zu übermitteln, doch bei Tagesschau ist mir eine solche Möglichkeit nicht bekannt. Ebenso gibt es keine Redakteurs-Übersicht auf tagesschau.de. Es ist ja nett dass Herr Heissler seinen Twitter-Handle beim Artikel angibt (was in US, UK und auch weitere Medien schon seit Jahren üblich ist), aber wo ist sein OpenPGP Key? Wie soll man ihn sicher kontaktieren?

Noch ein Zitat von DDB:

Den Neutralitätsanspruch habe WikiLeaks zudem offensichtlich aufgegeben. Anfangs habe man noch fast jeden Tag neue Dokumente veröffentlicht, heute konzentriere sich die Seite hingegen vor allem darauf, mit ihren Publikationen Einfluss auf politische Prozesse zu nehmen. „Es ist ja kein Zufall, dass die E‐Mails der Demokraten kurz vor Beginn des Parteitags veröffentlicht wurden“

Auch hier gilt: es gehört zum Geschäft, dass jeder Player auf dem Nachrichten-Markt versucht, seine Meldungen möglichst wirksam zu platzieren. Das liegt in der Natur der Sache. Finde ich wenig verwunderlich. Wie man daraus den Schluss ableitet, dass ein Neutralitätsanspruch aufgegeben wurde ist mir unklar. Sidenote: kann es einen Neutralitätsanspruch in diesem Tätigkeitsfeld geben?

Das Spiel geht übrigens auch andersherum: Burying – wichtige Entscheidungen werden auf große Sportereignisse gelegt und so die geringe Aufmerksamkeit ausgenutzt, um Entscheidungen durchzudrücken. Eine Instanz die diese Disziplin perfektioniert hat ist der deutsche Bundestag. So wurde während das EM Halbfinale Deutschland – Italien lief in unter einer Minute ein Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens in 2. und 3. Lesung beschlossen. Damals ging es auch darum, ob Meldedaten an Firmen verkauft werden dürfen. Das Video zur Abstimmung ist sehenswert. [8]

Der Artikel von Heissler endet mit den bekannten Vergewaltigungs-Vorwürfen gegen Assange. Diese will ich nicht verharmlosen, allerdings sollte man fairerweise mal darauf eingehen, unter was für Bedingungen Assange seit 2012 bis aktuell August 2016 leben muss. Eine Befragung durch die schwedische Justiz per Video hatte er von Anfang an angeboten. Dass dieses Angebot nicht angenommen wurde, legt durchaus nahe, dass hier ein politischer Prozess geführt wird. Man braucht nicht paranoid zu sein, um hier zu unterstellen, dass es evtl. um etwas anderes als nur die Befragung geht.

Schweden hat sich auch bei der Festnahme von Gotfried Svartholm aka Anakata in Kambodscha durchaus erfinderisch gezeigt. Mit Kambodscha gab es kein Auslieferungs-Abkommen. Wenige Tage nach der Festnahme gab es einen Kredit von 59 Mio. Dollar Entwicklungshilfe an Kambodscha. [9] Diplomacy so easy.

Heissler schließt seinen Artikel

Seine Anhänger sehen die Vorwürfe gegen Assange als Verschwörung, …

Wie? Also entweder ich bin Medienhasser und sehe in jeder Kritik an Assange eine Verschwörung oder ich muss Wikileaks blöd finden? Genau diese undifferenzierte Polarisierung ist es doch, die Phänomene wie Trump erst ermöglicht. Lernt man das nicht auf der Journalisten-Schule Herr Heissler?

Es ist trauig zu sehen, wie sich die Medienlandschaft in Deutschland entwickelt. Und traurig ist auch, dass ich solche Artikel mit meiner GEZ-„Abgabe“ mitfinanziere.

Unterm Strich bleibt ein Geschmack von „Wikileaks diskreditieren“. Anscheinend gibt es für die Medien nur glamoröse Gewinner oder niederträchtige Verlierer. Das war übrigens schon mit der Piratenpartei so. Erst hoch gelobt und dann in Grund und Boden geschrieben. Die Kurve ist oft ähnlich.

Einen deutlich differenzierteren, ebenfalls kritischen Artikel zum Zustand von Wikileaks in 2016 findet man bei The Intercept von Robert Mackey: What Julian Assange’s War on Hillary Clinton Says About WikiLeaks [10].

The Intercept zeigt dann auch, wie ein modernes Journalisten-Profil auszuschauen hat: https://theintercept.com/staff/robertmackey/ Das Profil von Robert Mackey enthält die vollständige bisherige Laufbahn aus der man als Leser eine mögliche Agenda ableiten kann. Neben direktem Mailkontakt zum Journalisten sowie Twitter-Handle ist hier ebenfalls der OpenPGP Fingerpring + Public key im Profil enthalten. Als Sahnehäubchen gibt es eine Securedrop Möglichkeit um The Intercept anonym und verschlüsselt Informationen zukommen zu lassen. [11]

Tagesschau und Journalisten wie Julian Heissler können noch viel lernen von The Intercept. Genau so wird der Weg in Zukunft ausschauen: die eigene Agenda Transparent vorhalten und als Disclaimer vorabstellen. Denn es gibt keine Menschen ohne eigene Agenda. Und dass Journalisten sich darüber beschweren, dass andere eine Agenda haben, zeigt nur die eigene Unreflektiertheit. Hinter dem Artikel von Herrn Heissler steht eine ganz klare Agenda und ich bin verwundert, dass sich die öffentlich Rechtlichen für eine solche hergeben. Da hätte ich mir mehr Recherche-Kompetenz erhofft.

[1] OpenLeaks

[2] Dissident on Databreaches.net 2015-12-28

[3] Dissident on Databreaches.net 2016-01-03

[4] Chris Vickery 2016-04-22 on Youtube

[5] James Tamperton on Wired.com 2016-04-22

[6] WP: Sony Pictures Entertainment Hack

[7] Tomas Rudl – Rätselraten um Angriff auf Bundestags-Netz, Netzpolitik.org 2015-05-21

[8] Abstimmung Bundestag 2012-06-28

[9] WP Gotfried Svarthold – Verhaftung in Kambodscha

[10] Robert Mackey – What Julian Assange’s War on Hillary Clinton Says About WikiLeaks, 2016 Aug 6th, The Intercept

[11] The Intercept – Profil von Robert Mackey

Nachrichten und ihr Informationsgehalt oder wie wirklich ist die Wirklichkeit

Tagesschau.de hat heute mal wieder für ganz großes Kino gesorgt.

Kino 1: Fukushima

In dem Artikel http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima266.html ist als Begleitbild eine Aufnahme einer Wärmebild-Kamera zu sehen, welche Reaktor 3 zeigt. Was mich stutzig machte ist, dass die interessante Information des Bilder leider fehlt: nämlich die Temperaturangabe des Hitzeherdes in der Bildmitte. Dass es eine Angabe gibt, zeigt eindeutig der auf den zentralen Hitzeherd zeigende Pfeil. Der Temperaturwert dazu fehlt allerdings. Entsprechende Angabe befindet sich außerhalb des sichtbaren Bereiches.

Ein Anruf in der Tagesschau.de-Redaktion bestätigt zunächst, dass das Bild in vollem Umfang vorliegt. Die sich aufdrängende Frage, warum nun aber das Bild und damit seine Kerninformationen beschnitten (man könnte auch sagen „zensiert“) wurde, konnte man mir nicht beantworten. Weitere Interpretationen überlasse ich dem geneigten Leser.

UPDATE 16.20h: Das Bild ist nun ganz aus dem Artikel verschwunden. Mailanfrage blieb unbeantwortet. Telefonisch bezieht auch niemand Stellung.

Hier das Bild (Stand: 22.03.2011, 12.55h)

Hier noch ein weiteres Bild, welches alle vier Reaktorblöcke zeigt:

Kino 2: Lybien

Als ich heute morgen Tagesschau.de überflogen habe, las ich, dass ein US-Kampfjet abgestürzt sei. Etwas später wollte ich den Artikel genau lesen und konnte dazu keine Informationen finden. Der Artikel war vom 22.03.2011 05.49h. Hier gab es zumindest mal eine Erklärung: Tagesschau.de hat massive Server-Probleme und es geht gerade drunter und drüber. Daher war die aktuelle Version des Artikels verschwunden und es wurde eine veraltete Version angezeigt. Mittlerweile ist der Fehler behoben und es wird ein Artikel mit Informationen zu dem Absturz angezeigt. Grund für den Absturz ist nach unbestätigten Angaben ein technischer Defekt. Ist doch klar. Was sonst.

Hier der Screenshot (Stand 22.03.2011 12.55h)

Beides ist nicht dramatisch: In Japan ist ohnehin die Kacke am Dampfen mit oder ohne Wärmebild-Kamera und der Kampfjet-Absturz existiert ja nun auch wieder auf Tagesschau.de. Doch beide Fälle zeigen deutlich, wie wichtig ist, dass jeder Medienkonsument sein Hirn auf „aktiv“ geschaltet läßt, wenn er sich informiert. Es ist so einfach in den Passiv-Modus zu verfallen und das ist dann nicht so empfehlenswert.

Euch allen ein fröhliches Konsumieren.

Pressekonferenz mit Rudolf Elmer (Offshore-Banking-Wahnsinn)

Habe gerade die Tagesschau-Berichterstattung zum Urteil im Prozess um Rudolf Elmer gelesen.

u.a. zum Prozess: http://www.tagesschau.de/ausland/elmer108.html

Das Offshore-Banking ausschließlich dazu da ist, schmutziges Geld zu waschen oder Geld am Fiskus vorbeizuschleusen ist allgemein bekannt. Ich zitiere kurz die Pros und Kons, die in der Wikipeadia aufgeführt sind:

Pros

Befürworter von Offshore-Finanzplätzen betonen ihre wichtige Rolle im internationalen Währungssystem, in dem sie durch ihre liberalen Gesetze die Entwicklung besonderer Instrumente beispielsweise zum Risikomanagement erlauben. Auch seien sie wichtig als Regulatoren, die verhinderten, dass Regierungen die Steuern zu weit anheben könnten.

Kons

Kritisiert werden Offshore-Finanzplätze vor allem als Steueroasen, die in Kombination mit ihrem rigiden Bankgeheimnis die Steuerhinterziehung in anderen Ländern begünstigen. Die NGO Tax Justice Network schätzt die durch Offshore-Finanzplätze verlorenen Steuereinnahmen auf weltweit etwa 255 Mrd. $ pro Jahr [4]. Die Steuereinnahmen, die den USA auf diese Weise verloren gehen, werden auf etwa 70 Mrd. $ geschätzt. [2]

Problematisch ist die fehlende Transparenz aber auch im Zusammenhang mit Geldwäscheaktivitäten, die hierdurch gefördert werden. Jährlich werden nach einer Schätzung des IWF weltweit zwischen 2 und 5% des BSP gewaschen. [5]

Zusätzlich sind die Finanzplätze aufgrund ihrer schlechten Finanzaufsicht in der Kritik, da sie nach Meinung vieler Experten die Stabilität des Finanzmarktes gefährden. Als bekannte Beispiele können hier die Pleiten der Meridian International Bank im Jahr 1995 oder der Zusammenbruch der Bank of Credit and Commerce International (BCCI) gelten. Auch wird Offshore-Finanzplätzen eine wichtige Rolle in der Entstehung der verschiedenen Währungskrisen der 90er Jahre zugeschrieben.[6]

Auch in anderen Skandalen wie beispielsweise den Krisen von Parmalat, Tyco oder Enron spielten Offshore-Finanzplätze, von denen aus Bilanzen manipuliert wurden, eine Rolle.

Die Argumente der Befürworter leuchten mir nicht so ganz ein. Aber darum soll es nicht gehen. Rudolf Elmer arbeitete jahrelang auf den Cayman Islands für die schweizer Bank Julius Bär. Die Geschichte rund um seine Entlassung liest sich wie der Prolog zu einem James Bond-Film.

Nachdem US-Steuerbehörden über Geschäftspraktiken informiert und nach Angaben der Bank interne Daten entwendet wurden, musste jeder Mitarbeiter einen Lügendetektor-Test absolvieren. Elmer war nach seinen Angaben zu diesem Zeitpunkt krank. Nachdem er den Test nicht bestand, wurde er entlassen und befand sich – so Elmer – noch im Besitz von Sicherungskopien.

Rudolf Elmer ist eine kontroverse Persönlichkeit und nich alles was er im Zuge seiner Entlassung getan hat, scheint ganz einwadfrei zu sein. Doch das Bild, welches z.B. das Schweizer Fernsehen oder aber auch Tagesschau.de versuchen, von Elmer zu zeichnen, dass er etwas verrückt wäre, finde ich nicht angebracht.

So schreibt z.B. der ARD-Korrespondent Pascal Lechner in seinem Artikel „Steht ein Robin Hood vor Gericht?“ folgendes:

Elmer fühlte sich nach eigenen Aussagen ständig bedroht – und dann müssen wohl bei ihm einige Sicherungen durchgebrannt sein.

Einzige Erklärung, warum er Elmer für verrückt hält, ist ein Interview, welches Elmer gegeben hat, nachdem  das Schweizer Fernsehen ihn auf Mauritius aufgespürt hat. Allerdings gibt Elmer auf der Pressekonferenz selbst zu, nahe an einer psychischen Krankheit gewesen zu sein. In sofern ist die Feststellung nicht ganz falsch, allerdings etwas aus dem Kontext gerückt.

Das SF hatte ihn zuletzt 2008 auf Mauritius aufgestöbert. Dorthin war er sozusagen geflüchtet. Im folgenden Fernseh-Beitrag wirkte Elmer konfus und argumentierte fahrig.

Das Video des Schweizer Fernsehens ist hier zu finden: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=5d70a102-0940-4bb5-af77-77602a5d2781. Elmar ist emotional aufgewühlt und sichtlich besorgt, um das Wohlergehen seiner Frau und seiner Kinder. Verständlich, wenn er von einem Privatdetektiv verfolgt wird. Allerdings wirkt Elmer in dem Video tatsächlich nicht sehr suverän und es wirft einige Fragen auf, die ihn in nicht besonders gutem Licht erscheinen lassen. Verlinkt ist, wie so oft bei Tagesschau.de, natürlich gar nix. Tagesschau beweist mal wieder, dass sie dem alten Stigma, den Nutzer immer auf der eigenen Seite halten zu wollen, treu bleiben. Aber ich schweife ab.

Der Fall ist komplex und es ist natürlich nicht in Ordnung, Menschen zu erpressen und erst recht nicht, Morddrohungen auszusprechen – das wurde ihm vorgeworfen. Aber jemanden einfach als verrückt abzustempeln, wie es Tagesschau.de und auch das Schweizer Fernsehen getan haben, ist nicht gut und lenkt vor allem von dem eigentlichen Thema ab, um das es hier geht: Die Praxis des Offshore-Bankings und seiner Mechanismen, Vorgänge zu vertuschen. Und egal wie herum – entweder an den Vorwürfen gegen Elmer ist was dran, dann ist er vielleicht Geldgierig, aber noch lange nicht verrückt. Oder die Vorwürfe sind haltlos und dann sollte er einen Preis bekommen. Denn nicht viele Menschen nehmen es auf sich und versuchen, ein durch und durch korruptes System offenzulegen.

Fun Fact 1: Die Daten wurden übrigens auch dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück angeboten (kostenlos), allerdings habe man keine Antworten erhalten.

Fun Fact 2: Julius Bär hat Rudolf Elmer im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs 500.000 Schweizer Franken, als Zahlung über drei Jahre, angeboten.

Aber Elmer bleibt eine kontroverse Persönlichkeit und nachdem er am 17.01.2011 seine Daten-CDs an Julian Assange überreicht hat, wurde er am 19.01.2011 erneut verhaftet und verurteilt. Allerdings liest sich das Urteil eher wie ein Freispruch:

Das Bezirksgericht Zürich verhängte eine Strafe von 7200 Franken (rund 5600 Euro). Sie wurde für zwei Jahre zu Bewährung ausgesetzt.

Nochmal zum Mitschreiben, der Betrag von ca. 5600€ wurde auf Bewährung ausgesetzt. D.h. wenn er sich nichts zu schulden kommen läßt in den nächsten zwei Jahren, muss er diese nicht einmal zahlen.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Geschichte weiter entwickelt.

Hier das Video der Pressekonferenz mit Rudolf Elmer und Julian Assange.

Schwierig das ganze weder unter- noch über-zubewerten.  Sicherlich spielt hier auch Julians Interesse eine Rolle, der Welt zu zeigen, dass er trotz des Prozesses gegen ihn noch aktiv ist und Wikilieaks deshalb nicht aufhört zu arbeiten.
Gespannt bleiben darf man vor allem darauf, ob Schweden eine Auslieferung an die USA ermöglicht oder nicht.

Hier noch ein Bonbon für Verschwörungstheoretiker: Eine Suche auf Tagesschau.de nach dem Namen „Elmer“ war am 19.01.2011 23:30h nicht möglich. Davon gibts auch einen Screenshot. Der Begriff „Wikileaks“ war aber noch auffindbar.