Die Bundeswehr, das Postgeheimnis und „ordentliche“ Aufklärung

Fantastisch. Mal wieder ein Stück Real-Satire? Leider nicht. „Unsere Jungs“ am Hindukusch schreiben manchmal Briefe an ihre Familien. Diese sog. Feldpost unterliegt dem Postgeheimnis. Nun sind einige Fälle aufgetaucht, wo plötzlich USB-Sticks und Speicherkarten aus den Sendungen verschwunden sind. Huch, so was aber auch.

Nun wird ermittelt und Tageschau.de berichtet über diese Ermittlungen. Das bisherige Fazit der internen Ermittlungen:

Nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen bestehe gegen keinen mit dem Postversand beauftragten Soldaten in Afghanistan „der Verdacht auf Manipulation oder Öffnung von Postsendungen“. Angesichts der im Vergleich zum gesamten Postaufkommen geringen Anzahl der Verdachtsfälle könne auch „nicht von einem systematischen Öffnen der Briefe gesprochen werden“

Man muss keinen Kurs zu Logik I besucht haben, um zu merken, dass hier etwas nicht stimmt. Ein Leser-Kommentar auf Tagesschau.de bringt es auf den Punkt:

Ob etwas systematisch geschieht hängt davon ab ob etwas nach einem System geschieht und nicht davon wie häufig etwas auftritt. Aber eine prima Ausrede… werde ich mir merken.

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Der coole Verteidigungsminister Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, der gerade ohnehin schon genügend Probleme hat und den Auslandseinsatz mit Kriegscharakter in Afgahnistan als eine Talkshow inszeniert, dürfte nicht sehr erfreut über dieses weitere Problemchen sein.

Nachtrag: So dramatisch die Vorgänge auf dem Schiff „Gorch Fock“ auch dargestellt werden, so spielt auch hier m. E. eine Überbewertung der Medien mit rein. Jeder Tod eines Menschen birgt ein Drama in sich, besonders gilt dies für Tote durch Unfälle. Da wird dann immer diskutiert, ob das vermeidbar gewesen ist oder nicht. Aber wir leben in einer Gesellschaft, in der offensichtlich eine Vielzahl von Menschen nach Drama lechzt. Offensichtlich ist das eigene Leben zu langweilig oder inhaltslos geworden. Gutes Beispiel dafür ist der Wetten Dass… Unfall von Samuel Koch: Dramatisch ja, Relevant, das mag herzlos klingen, aber relevant ist das nicht. Sportunfälle und nicht andres ist der Unfall für mich, geschehen jeden Tag. Doch die Menschen wollen das Drama. Und sie bekommen es von den alten Medien auch geliefert. Von Tagesschau.de die einen ganzen Tag dieses Thema als Top-Meldung auf erster Stelle bringen über Faz.net bis hin zur Taz wird dieses Thema vor allem Weltgeschehen, Revolutionen, Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Naturkatastrophen behandelt. Erstaunlich oder?

Der Kommandant mag sich fehlverhalten haben, aber dass die Offiziersanwärter ungesichert auf den Mast klettern scheint nicht ungewöhnlich. Sie sind nicht zum ersten mal auf einem Segelschiff und oben auf dem Mast wird dann auch gesichert. Man kann darüber wunderbar eine Story machen, aber zunächst sollte man debattieren, ob Offizieranwärter beim „auf den Mast klettern“ zu sichern sind oder nicht. Denn damit wäre dieser Unfall verhindert worden. Wie sinnvoll eine Sicherung ist, kann ich nicht beurteilen, aber früher gab es so etwas überhaupt nicht. Und ob in einem Ernstfall zeit da ist, sich zunächst um eine Sicherung zu kümmern bevor man auf den Mast muss, wage ich zu bezweifeln. Ein Fehlverhalten ist trotzdem nicht in Ordnung und muss untersucht und ggf. geahndet werden. Aber man sollte nicht alles durchmischen und dass dann verwenden, um sich aus dieser Suppe heraus ein Urteil zu bilden.

Der Fall der geöffneten Post hingegen wiegt, wie ich finde, weitaus schwerer. Je nachdem von wo die Anweisung kam, könnte sich hier herausstellen, dass ein Ministerium hier Stasimethoden anwendet und das evtl. systematisch. Auch wenn das, wie oben zu lesen, mit einer absolut phantastischen Logik versucht wird zu widerlegen.

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