Broken Apple #15 – Mac App Store launch und Datenschutzbedenken

Heute am 06.01.2011 ist es so weit – der Mac App Store wird veröffentlicht. Vorraussetzung ist, dass Mac OS X 10.6.6 installiert ist, welches ebenfalls heute veröffentlicht wurde.

Zunächst war ich recht angetan und habe zu Testzwecken ein paar kostenlose Apps geladen. Der ganze Vorgang selbst ist, wenn man bereits ein iTunes-Konto hat, sehr einfach und benutzerfreundliche gestaltet. Von Tweetie 2 Twitter (der Hersteller http://www.atebits.com/ wurde von Twitter gekauft) war ich recht angetan. Das UI (User Interface) ist schön gestaltet und man kann intuitiv navigieren. Die schwarze Seitenleiste gefällt mir gut.

Erste Bedenken

Nun wollte ich mal schauen, ob ich die App auch im Internet laden kann und navigiere auf die MacUpdate-Seite zur neuen Twitter-Software. Wenn man dort auf download klickt wird man an den Mac App Store weitergeleitet (das haben sie dort mittlerweile als Info hinzugefügt). Das ist aber nicht schön! Meine Gehirnwindungen kommen auf Trab und es ploppen einige Folgefragen auf. Weitere Recherche ergibt:

Die neue offizielle Twitter Mac-Software gibt es nur über den Mac App Store

Das finde ich ganz schön krass, denn das hat einige Konsequenzen. Zum Beispiel die, dass Apple nun darüber informiert ist, dass ich die Twitter Software geladen habe. Genauso ist es mit jeder anderen Software, die ich von dort beziehe. Selbst wenn ich eine solche kostenlose App wieder löschen sollte, ist das alles über den iTunes Account in meiner History gespeichert.

Das möchte ich nicht. Und wenn ich das nicht möchte, die Software aber ausschließlich über den Mac App Store vertrieben wird bleibt mir lediglich der Verzicht, diese Software einzusetzten. Oder?

Mir ist bekannt, dass der Mac App Store bereits gehackt ist. Die Gruppe möchte aber (aus Respekt vor den Entwicklern, die hinter all der Software stehen und auch um Apple nicht noch mehr als nötig zu verärgern) mit der Veröffentlichung des Hacks circa einen Monat abwarten. Sobald das dann raus ist, düften wir wohl gecrackte Mac Apps sehen.

Ich möchte hier nicht zu Software-Piraterie aufrufen. Aber der Mac App Store ist für mich ein weiteres Beispiel dafür, wie Nutzer aufgrund von geschlossenen Kontrollsystemen und dem damit einhergehenden Mangel an alternativen Bezugsquellen gerade dazu gedrängt werden, sich mit Jailbreaks und Hacks auseinander zu setzen, sofern sie denn ein Interesse an ihrer Privatsphäre haben. Zur Privatspäre gehört meines Erachtens nach auch, dass es keine einzige Entität gibt, die darüber bescheid weiß, welche Software bei mir zum Einsatz kommt.

Ein Anruf bei Apple verlief wie fast schon zu erwarten ebenfalls sehr irritierend ab. Kleine Randnotiz: Apple ist übrigens die einzige mir bekannte Firma, die keinen Opt-Out für Gesprächsaufnahmen anbietet, also dem Kunden die Möglichkeit verweigert, einem Mitschnitt des Gesprächs zu widersprechen. Das kann man zwar tun, allerdings legt dann der Apple Mitarbeiter auf. Allein diese Tatsache sollte zum Nachdenken animieren. Nungut, Steve will alles wissen – so langsam beginne ich zu verstehen. Ich erkläre, dass ich ein paar Fragen zum Mac App Store habe, doch man teilt mir mit, dass es derzeit keinen Support für den Mac App Store gibt. Ich frage mehrfach nach, ob der Mitarbeiter sich sicher ist, dass es tatsächlich keinen Support gäbe. Aber er bleibt bei seiner Aussage. Aha. Dass muss man sich mal vorstellen: ein Konzern mit einem bestehenden Geschäftsmodell, indem es wirklich um große Summen Geld geht (denn der Mac App Store existiert bereits ganz real und es wird auch mit realem Geld bezahlt) bietet absolut Null Support für dieses Geschäftsmodell nada, gar nix! Starkes Stück. Ich bin mir nicht mal sicher, ob das rechtlich überhaupt haltbar ist. Habe da so meine Zweifel.

Eigentlich wollte ich ja fragen, ob und falls ja, wie es möglich ist, kostenlose Apps aus meiner History zu löschen. Aber dazu kam es gar nicht. Der Mitarbeiter wollte aber fleißig meinen Namen, Mail und Rufnummer notieren, damit er mir weiterhelfen könne. Ich frage nach, ob ich denn den Telefon-Support durch Preisgabe meiner Daten „bezahlen“ würde. Er meint, dass kann man quasi so sagen. Uff. Alles klar.

Da ich von Apple keine Antworten auf diese sich aufdrängenden Fragen erhalte werde ich mich mal auf die Suche machen. Vermutlich werde ich schon Antworten und Lösungen finden – auch wenn diese dann nicht ganz im Sinne von Apple sein dürften.

Sucht euch den Schluss aus. Hier drei Vorschläge: Adieu Privacy, hello 1984. Money makes the world go round! OpenData – not.

UPDATE: Ganz vergessen. Apples neue Mac App Software durchsucht den Rechner nach installierter Software. Wonach genau gesucht wird ist natürlich unbekannt. Wer also eine nicht ganz offiziell gekaufte Version von Logic oder Final Cut hat sollte sich zwei mal Überlegen, den App Store zu aktivieren.

Hier entsprechender MacRumors-Artikel.

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