Der Bundestag, sein Datenhandbuch und OpenData

Dank der Verbreitung des schnellen Internets, sowie des massenhaften Gebrauchs von Smartphones, die (halbwegs) zuverlässig funktionieren, beteiligen sich immer mehr Bürger am politischen Diskurs. Der Bundesbürger wird vom passiv Staatsfernsehen konsumierendem Wahlvieh zum aktiv partizipierendem Bürger – im Grunde so, wie es sich Platon schon für seine Politeia gewünscht hat.

Wenn ich vor 10 Jahren eine sher spezielle Information zum Beispiel zum dt. Bundestag finden wollte, stand mir eine durchaus aufwändige Recherche ins Haus. Mittlerweile gibt es aber das Datenhandbuch des deutschen Bundestages.

Die Version mit den Daten von 1949 – 2003 gab es in drei Varianten:

Die aktuellere neue Version mit den Daten von 1949 – 2010 gibt es in drei Varianten:

Das ist genau das, was bei OpenData erwünscht ist. Der Staat geht Transparent mit seinen Daten um und bietet diese entsprechend Aufbereitet seinen Bürgern zur Information. Der Chaos-Computer-Club (CCC) hat einen alten Traum. Nämlich den vom Maschinen-lesbarem Staat. Das meint, dass die Daten, welche der Staat sammelt und bereitstellt, in sowohl für Menschen als auch Maschinen lesbarer Form verfügbar gemacht werden. Inhaltlich bezieht sich diese Forderung auf alles mögliche – angefangen bei Wahlergebnissen über (wie in dem Falle des Datenhandbuches) Fakten zum Bundestag bis hin zu Messergebnissen aus der Umweltbehörde.

Warum der Bundestag nun aber die PDF-Version eingestellt hat leuchtet mir nicht ganz ein. Daher habe ich dort mal telefonisch nachgefragt. Es wird natürlich auf die HTML-Version und die CD-ROM verwiesen. Aber was bitte ist am CD-Versand vortschrittlicher, als ein PDF herunterzuladen? Beim Versand einer CD entstehen

  • Kosten für Porto
  • Kosten für Verpackung
  • Kosten für CD-Herstellung

Bei der Herstellung des alten PDFs hat außerdem jemand seinen Job nicht gemacht. Das neun-seitige Inhaltsverzeichnis der insgesamt 4393 Seiten ist leider nicht verlinkt. Es macht mich etwas stutzig, dass, was heute Standard jeder Grundstudiums-Hausarbeit ist, der deutsche Bundestag nicht auf die Reihe bringt.

Herr Hans-Peter Neumann, der für das Datenhandbuch zuständig ist, war aber sehr freundlich. Er teilte mir mit, dass genau eine Person am Datenhandbuch arbeite und das die Zeit nicht für eine PDF-Version ausreiche. Aber wenn ich mir so anschaue, wofür ansonsten Zeit zur Verfügung steht, bin ich mir nicht sicher, ob ich diese Argumentation als gültig erachten kann. Eine CD ist nun auf dem Postweg unterwegs zu mir und Herr Neumann versicherte mir, dass meine Anschrift sofort nach Versand vernichtet werde. Na dann.

Wer auch Interesse an einer PDF Version hat, sollte dies Herrn Neumann wissen lassen. Denn wenn es kein Interesse gibt, wird es auch kein PDF geben. Natürlich gibt es den Workaround, die Webseite komplett zu speichern und soweiter, aber ich arbeite gern mit PDFs, in denen ich Notizen und Markierungen vornehmen kann und welche unveränderlich ist. Die Zentrale des Bundetages ist erreichbar unter 030 / 227-0, dort einfach nach jemand Fragen, der für das Datenhandbuch zuständig ist.

Auf dass wir in Zukunft nicht nur ein Datenhandbuch, sondern auch ein Datenschutzhandbuch und ein Umweltdatenbuch und und und haben werden.

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