Amazon.de Fail 2: Amazon schaltet Wikileaks die gemieteten Server ab

Als wäre die miese Erfahrung beim MP3 Kauf nicht schon genug, legt Amazon heute an Dreistigkeit noch mal einen drauf.

Offenbar auf Forderung von Senator und Heimatschützer Joe Lieberman hat Amazon-Europa Wikileaks heute die dort gemieteten Server abgeschaltet. Eine telefonische Nachfrage bei Amazon.de blieb (wie auch schon im Falle des MP3-Problems) unbeantwortet. Von der IT sei niemand erreichbar. Die Dame am Telefon weiß natürlich von nichts. „Das sind Anweisungen von Oben, da kann ich nichts zu sagen.“ „Wir geben generell keine Telefonische Auskunft.“ Nach einem weiteren Anruf werde ich an die Pressestelle verwiesen. Dort sagt mir die Mitarbeiterin, dass sie nicht „im Thema“ ist. Und die Mitarbeiter, die im Thema sind, wären gerade auf Geschäftsreise. Ich soll eine Mail schreiben. E-Mail-Verschlüsselung unterstützen sie allerdings nicht. Na klasse.

So kann man natürlich mit der Öffentlichkeit umgehen, allerdings ist das nun Grund genug, meine sämtlichen Aktivitäten bei Amazon einzustellen. Elektronik gibt es ohnehin woanders meist billiger, Bücher werden ab heute im Lädchen um die Ecke gekauft und CDs gibts schon lange nicht mehr, digitale Musik versuche ich möglichst direkt beim Künstler zu kaufen.

Keine weiteren Käufe bei Amazon.de und danke für den Fisch.

Wo ist hier noch der Unterschied zu China? In beiden Fällen wird politischer Druck ausgeübt um ungewünschte Informationen verschwinden zu lassen. Deutschland ist davon gar nicht auszunehmen. Dank Telemediengesetz und Jugendmedienschutz-Staatsvertrag wird es auch hierzulande immer schwieriger an wichtige Informationen zu gelangen. Und da reden wir nicht einmal von klassifizierten Dokumenten, sondern von 0815-Berichterstattung zum politischen Tagesgeschehen. 1984 wir kommen.

Update: Wie SkepticGeek unter http://www.skepticgeek.com/miscellaneous/everydns-net-terminates-wikileaks-dns-services/ berichtet hat EveryDNS.net nun den DNS-Service für Wikileaks.org eingestellt. Sie begründen dies mit den DDos-Attacken auf Wikileaks, die unter Umständen ebenfalls andere Webseiten lahmlegen könnten. D.h. Wikileaks ist nun nicht mehr über die benutzerfreundliche Adresse http://www.wikileaks.org erreichbar, sondern nur noch über folgende IP http://46.59.1.2/. Hier gibt es eine Mirror-Liste von Wikileaks: http://wikileaks.info/

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TAZ: http://taz.de/1/netz/netzpolitik/artikel/1/amazon-sperrt-wikileaks-den-server/

FAZ: http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E5592CA49B6CB4A9096AB45AD2A5D30B3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

SZ: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/serverkapazitaeten-fuer-wikileaks-das-amazon-prinzip-1.1031176

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3 Gedanken zu “Amazon.de Fail 2: Amazon schaltet Wikileaks die gemieteten Server ab

  1. nach dieser Aktion von AMAZON mache ich keine Geschäfte mehr mit dem UNTERnehmen. Boykott zu AMAZON!! Es lebe die Freiheit!!

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