OEM-Festplatten und die Konsequenzen

In letzter Zeit habe ich viel Spaß mit Festplatten gehabt. Eine Western Digital Platte hat den Geist aufgegeben, wodurch die Anschaffung einer neuen Festplatte notwendig wurde. Nun gibt es bei Festplatten sogenannte OEM-Platten. Diese werden von den Herstellern an Reseller verkauft und sind dort zum Weiterverkauf in einem „Fremdgehäuse“ bestimmt (also entweder in zusammengebauten Computern oder eben in einem Gehäuse eines anderen Herstellers).

Jetzt wird es interessant: Gewähren viele Hersteller von Festplatten eine Garantiezeit zwischen 3-10 Jahren, so sind die Garantiebestimmungen eine OEM-Platte vollkommen andere: Garantie gibt es hier in der Regel überhaupt nicht, lediglich die gesetzliche Gewährleistung. Diese beträgt 2 Jahre, wobei innerhalb der ersten 6 Monate die Beweislast beim Verkäufer liegt. Danach kommt es zur berühmten Beweislastumkehr – was fast immer bedeutet, dass man als Verbraucher keinerlei Rechte mehr hat, denn wie soll man 9 Monate nach Kauf beweisen, dass der technische Defekt bereits beim Kauf vorhanden war? Das Gutachten darüber dürfte wohl teurer sein, als ein Geräteersatz. Im Falle einer Gewährleistung muss die Abwicklung eines eventuellen RMA-Falles („Return Material Authorization„) über den Reseller erfolgen. Wir halten fest: Es liegt im Falle einer OEM-Platte keine Garantie vor, der Reseller ist lediglich zu einer 6-monatigen Gewährleistung verpflichtet mit anschließender Beweislastumkehr.

Es steht hier also eine mehrjährige Garantie einer 24-monatigen Gewährleistung gegenüber (Garantie: Beweislast liegt beim Hersteller; Gewährleistung: Beweislast liegt nur für die ersten 6 Monate beim Reseller).

Nun wirds noch interessanter: Viele Internet-Händler (Alternate, Hoh.de, Hardwareversand.de, MindFactory, DriveCity, Compuland, die letzten drei sind ohnehin identisch, da alle die gleiche Anschrift haben) verkaufen OEM-Platte, da diese im Einkauf billiger sind, als regulären Festplatten. Es werden einfach Mischpaletten bei den Herstellern eingekauft und dann versucht, die OEM-Grauware unters Volk zu bringen. Die OEM-Platten werden nämlich nicht seperat von den anderen Platten verkauft, sondern ungeprüft und vorallem undeklariert (!) verkauft. In meinem Falle war weder auf der Internetseite, noch auf der Festplatte und auch nicht auf der Rechnung vermerkt, dass es sich um eine OEM-Platte handelt. Dass das kein Einzelfall ist, kann man leicht anhand vieler Foren im Internet in Erfahrung bringen. Für mich grenzt dass an Betrug oder zumindest vorsätzliche Täuschung, aber ich bin kein Jurist.

Dabei hoffen die Reseller auf folgendes:

  • Unkenntnis der Käufer: Viele wissen nicht, dass OEM-Festplatten überhaupt existieren. Geschweige denn, wie die Garantiebestimmungen dazu aussehen
  • Faulheit der Käufer: Heutzutage sind alle immerzu beschäftigt und man überlegt sich, ob der Weg zur Post, die lange Schlange dort, der Ärger mit dem Reseller, die eventuell teure Hotline usw es wirklich wert sind… und am Ende wird die Platte einfach verbaut

Das böse Erwachen kommt dann, sobald es Probleme mit der Platte gibt (was ja bei Festplatten nicht selten ist).

Daher mein Resümee: Sofort nach Erhalt einer Festplatte auf entsprechende Herstellerseite und dort anhand der Seriennummer die Garantie prüfen, sowie bei der Bestellung im Internet gleich dazuschreiben, dass keine OEM-Platte akzeptiert wird und diese nach Prüfung auf Kosten des Händlers zurückgesendet wird.

Das sieht bei Western Digital z.B. wie folgt aus:

OEM

Die einzige Möglichkeit, wie sich an diesem dubiosen Geschäftsgebahren etwas ändern wird, ist dass möglichst viele Kunden ihre OEM-Platten zurücksenden, denn dann lohnt sich der Verkauf irgendwann nicht mehr für die Händler.

Also, ab zur Post und weg mit der garantielosen Grauware!

2 Gedanken zu “OEM-Festplatten und die Konsequenzen

  1. Hallo Babdua, hier wie gewünscht mein Kommentar dazu:

    Das mit deinem Fazit ist natürlich persönliche Meinung und als solche absolut legitim, aber Du solltest dabei eventuell zwei Punkte bedenken:

    1. Der legale Verkauf von OEM-Ware an Endkunden ist eine Besonderheit des deutschen Rechts und beruht auf einem BGH-Urteil aus dem Jahr 2000 (damals gegen Microsoft), welches auf dem Erschöpfungsgrundsatz der Rechte des Herstellers beim ersten Inverkehrbringen beruht (will ich jetzt nicht weiter ausführen, bei Interesse hilft Google weiter). Insofern gibt es die von Dir genannte Zweckbindung von OEM-Ware in Deutschland dejure nicht. So kannst Du entsprechend auch in der nächsten Filiale der Elektro-Kette deiner Wahl eine System Builder Version von Windows (Non-OSB) ganz legal erwerben, obwohl auch eben diese Versionen im internationalen Handel ursprünglich nur für OEMs gedacht sind.

    2. Der Verkauf von OEM-Ware an Endkunden hat für diesen neben dem eventuellen Nachteil fehlenden Zubehörs und eingeschränkter oder fehlender Garantien auch einen erheblichen Vorteil: Ein wesentlich günstgerer Preis. Nehemen wir einmal ein Office 2007. Hier liegt der Preis der Retail-Version teilweise doppelt so hoch wie bei einer Version die eigentlich nur für OEMs gedacht ist. Hier kaufen die Kunden bedenkenlos, obwohl auch bei dieser der Support komplett eingeschränkt ist. Wenn sich der Kunde im Klaren ist was er kauft, so ist dies für ihn durchaus von Vorteil.

    Worüber wir nicht diskutieren müssen, da wir da wohl einer Meinung sind: Verkauft ein Händler OEM-Ware und erweckt den Anschein es sei Retail-Ware, so ist das eindeutig Kundentäuschung.

    Ich bin jedoch der Meinung dass ein Kunde es auf die eigene Kappe nehmen muss günstig einkaufen zu wollen und blind davon auszugehen dass es sich um vollwertig Retailware handelt, auch wenn keinerlei Garantien und/oder Zubehör in der Artikelbeschreibung erwähnt sind…

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