Broken Apple #28: Apple entfernt Bewertungssystem für macOS 10.12 Sierra im MacAppStore

OS X ist tot, lang lebe macOS.

So oder so ähnlich stellt sich Apple das renaming seines Betriebssystems vor. Kundenbewertungen sind vor allem dann wichtig, wenn ein neues Betriebssystem auf den Markt kommt.

Doch genau dieses Bewertungssystem hat Apple aktuell deaktiviert und zwar für genau eine einzige Software: macOS Sierra.

Wie immer ist von Apple keine Stellungnahme erhältlich. Auf Nachfrage wird das Problem bestätig ohne weiteren Kommentar. Das Problem ist seit dem 22.09.2016 gemeldet und auch an Apples Techniker durchgeleitet.

Heute werden in der Übersicht gar keine Bewertungs-Sterne angezeigt, gestern wurden im deutschen Store 100 Bewertungen mit im Durchschnitt 4 1/2 Sternen angezeigt. Weder gestern noch heute waren allerdings auf der Detailseite zu macOS Sierra irgendwelche Bewertungen zu finden. Eine Möglichkeit Bewertungen abzugeben fehlte ebenfalls.

Das hier ein Missgeschick vorliegt, halte ich für unwahrscheinlich. Dazu ist Sierra für Apple aktuell zu wichtig. Also muss man von Absicht ausgehen. Und wenn ein Hersteller für seine derzeit wichtigste Software das für andere obligatorische Bewertungssystem deaktiviert, weiß man auch was die Stunde geschlagen hat.

Sehr enttäuschend von Apples Seite.

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Julian Heissler mit seltsamem Wikileaks-Artikel auf Tagesschau.de

Der Artikel von Julian Heissler, der 12.08.2016 11:32 auf Tagesschau erschien hat mich stark verwirrt. Ein paar Details möchte ich genauer beleuchten.

Heissler zitiert Daniel Domscheit-Berg:

Wer heute noch bei WikiLeaks landet um etwas öffentlich zu machen, der verfolgt damit bestimmte Ziele. Mit einem moralischen Anspruch hat das meist nichts mehr zu tun.

Das Zitat und auch die zitierte Person sollten wir anschauen. Wer auf der politischen Bühne agiert als Politiker oder Aktivist, wird immer eine Agenda haben. Das ist wenig überraschend. Und auch Whistleblowing wird immer ein Ziel verfolgen. Whistleblowing findet immer im Spannungsfeld zwischen Moral, Agenda der Leaking-Plattform sowie der Frage der Inhaltlichen Aufbereitung und / oder Redigierung statt.

Daniel Domscheit-Berg ist ein intelligenter Mensch, der gute Gründe hatte bei Wikileaks auszusteigen. Festzuhalten ist aber auch, dass er mit seiner Leaking Plattform OpenLeaks[1] gescheitert ist. Wer weiß, vielleicht ist er ja Mitarbeiter beim Zeit / Sueddeutsche / Spiegel-Verbund, die des öfteren einige Leaks veröffentlich haben. Dort haben leider oft die Daten gefehlt und es wurden nur wenig Teile des Datensatzes veröffentlicht. Da ist Wikileaks radikaler. Berechtigte Kritik bleibt, wenn das Redigieren komplett ausbleibt, wie Edward Snowden zu recht in seinem Tweet vom 28.07.2016 22:21h moniert.

Interssant finde ich die Kritik, dass Wählerdaten aus der Türkei veröffentlicht wurden. Diese Veröffentlichung ist sicher in Frage zu stellen. Aber leider vergisst Herr Heissler die entscheidende Frage: Wie kann es sein dass so viele Wählerdaten weltweit geleakt werden? Ebenso, wieso werden solche Daten per Email Pateiintern durch die Gegend gesendet? Und wer hatte demzufolge bereits vor der Veröffentlichung schon Zugang? Da die Daten unverschlüsselt verschickt wurden schon mal BND und NSA – juchuu. Hier ein paar Wählerdaten-Leaks der letzten Zeit:

  • 2015-12-28: 191 Mio. Datensätze zu US Wählern [2]
  • 2016-01-03: 56 Mio. Datensätze US Wähler [3]
  • 2016-04-21: 93,4 Mio. Datensätze aller mexikanischen Wähler [4]
  • 2016-04-22: 55 Mio Datensätze philippinischer Wähler [5]

Nun kommen wir zu meiner Kritik an Tagesschau.de und Julian Heissler: Die Entscheidende Frage, wie es sein kann, dass solche massiven Datensätze an die Öffentlichkeit gelangen, wird nicht gestellt.

Eines muss ganz klar sein: Daten sind immer so sicher, wie die Security mit der sie behandelt werden. Und wie wir an zwei illustrativen Beispielen, Sony Hack 2014 [6] und den Bundestags Hack 2015 [7], gelernt haben, ist Security ein kompliziertes Geschäft. Auch hier hat jeder Player eine Agenda.

Doch die entscheidende Frage wird nicht gestellt: Wie kann es denn dann der richtige Weg sein, Daten immer mehr zu zentralisieren und auf verdachts-unabhängige Vorratsdatenspeicherung zu setzen, de fakto Video-Vollüberwachung in allen öffentlichen Verkehrsmitteln sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr zu haben, Kameras an öffentlichen Plätzen mit Zoom-Fähigkeiten, dass selbst Inhalte von Mobiltelefonen auf dem Bildschirm mitgelesen werden können, massenweise Funkzellen-Abfragen der Polizei bei Demonstrationen, Kennzeichenerfassung durch Mautbrücken, den BND auf den Internet-Knotenpunkten wie DE-CIX sitzen zu haben, und so weiter und so fort.

Und die zweite entscheidende Beobachtung die keinerlei Erwähnung findet: Als Journalist sollte man sich bei Unzufriedenheit mit Wikileaks doch zügigst an die eigene Nase fassen und überlegen, was es für Alternativen gibt. Die Leaking Plattform von DDB ist es schon mal nicht. Zwar haben einige wenige Zeitungen die Option, ihnen sicher Informationen zu übermitteln, doch bei Tagesschau ist mir eine solche Möglichkeit nicht bekannt. Ebenso gibt es keine Redakteurs-Übersicht auf tagesschau.de. Es ist ja nett dass Herr Heissler seinen Twitter-Handle beim Artikel angibt (was in US, UK und auch weitere Medien schon seit Jahren üblich ist), aber wo ist sein OpenPGP Key? Wie soll man ihn sicher kontaktieren?

Noch ein Zitat von DDB:

Den Neutralitätsanspruch habe WikiLeaks zudem offensichtlich aufgegeben. Anfangs habe man noch fast jeden Tag neue Dokumente veröffentlicht, heute konzentriere sich die Seite hingegen vor allem darauf, mit ihren Publikationen Einfluss auf politische Prozesse zu nehmen. „Es ist ja kein Zufall, dass die E‐Mails der Demokraten kurz vor Beginn des Parteitags veröffentlicht wurden“

Auch hier gilt: es gehört zum Geschäft, dass jeder Player auf dem Nachrichten-Markt versucht, seine Meldungen möglichst wirksam zu platzieren. Das liegt in der Natur der Sache. Finde ich wenig verwunderlich. Wie man daraus den Schluss ableitet, dass ein Neutralitätsanspruch aufgegeben wurde ist mir unklar. Sidenote: kann es einen Neutralitätsanspruch in diesem Tätigkeitsfeld geben?

Das Spiel geht übrigens auch andersherum: Burying – wichtige Entscheidungen werden auf große Sportereignisse gelegt und so die geringe Aufmerksamkeit ausgenutzt, um Entscheidungen durchzudrücken. Eine Instanz die diese Disziplin perfektioniert hat ist der deutsche Bundestag. So wurde während das EM Halbfinale Deutschland – Italien lief in unter einer Minute ein Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens in 2. und 3. Lesung beschlossen. Damals ging es auch darum, ob Meldedaten an Firmen verkauft werden dürfen. Das Video zur Abstimmung ist sehenswert. [8]

Der Artikel von Heissler endet mit den bekannten Vergewaltigungs-Vorwürfen gegen Assange. Diese will ich nicht verharmlosen, allerdings sollte man fairerweise mal darauf eingehen, unter was für Bedingungen Assange seit 2012 bis aktuell August 2016 leben muss. Eine Befragung durch die schwedische Justiz per Video hatte er von Anfang an angeboten. Dass dieses Angebot nicht angenommen wurde, legt durchaus nahe, dass hier ein politischer Prozess geführt wird. Man braucht nicht paranoid zu sein, um hier zu unterstellen, dass es evtl. um etwas anderes als nur die Befragung geht.

Schweden hat sich auch bei der Festnahme von Gotfried Svartholm aka Anakata in Kambodscha durchaus erfinderisch gezeigt. Mit Kambodscha gab es kein Auslieferungs-Abkommen. Wenige Tage nach der Festnahme gab es einen Kredit von 59 Mio. Dollar Entwicklungshilfe an Kambodscha. [9] Diplomacy so easy.

Heissler schließt seinen Artikel

Seine Anhänger sehen die Vorwürfe gegen Assange als Verschwörung, …

Wie? Also entweder ich bin Medienhasser und sehe in jeder Kritik an Assange eine Verschwörung oder ich muss Wikileaks blöd finden? Genau diese undifferenzierte Polarisierung ist es doch, die Phänomene wie Trump erst ermöglicht. Lernt man das nicht auf der Journalisten-Schule Herr Heissler?

Es ist trauig zu sehen, wie sich die Medienlandschaft in Deutschland entwickelt. Und traurig ist auch, dass ich solche Artikel mit meiner GEZ-„Abgabe“ mitfinanziere.

Unterm Strich bleibt ein Geschmack von „Wikileaks diskreditieren“. Anscheinend gibt es für die Medien nur glamoröse Gewinner oder niederträchtige Verlierer. Das war übrigens schon mit der Piratenpartei so. Erst hoch gelobt und dann in Grund und Boden geschrieben. Die Kurve ist oft ähnlich.

Einen deutlich differenzierteren, ebenfalls kritischen Artikel zum Zustand von Wikileaks in 2016 findet man bei The Intercept von Robert Mackey: What Julian Assange’s War on Hillary Clinton Says About WikiLeaks [10].

The Intercept zeigt dann auch, wie ein modernes Journalisten-Profil auszuschauen hat: https://theintercept.com/staff/robertmackey/ Das Profil von Robert Mackey enthält die vollständige bisherige Laufbahn aus der man als Leser eine mögliche Agenda ableiten kann. Neben direktem Mailkontakt zum Journalisten sowie Twitter-Handle ist hier ebenfalls der OpenPGP Fingerpring + Public key im Profil enthalten. Als Sahnehäubchen gibt es eine Securedrop Möglichkeit um The Intercept anonym und verschlüsselt Informationen zukommen zu lassen. [11]

Tagesschau und Journalisten wie Julian Heissler können noch viel lernen von The Intercept. Genau so wird der Weg in Zukunft ausschauen: die eigene Agenda Transparent vorhalten und als Disclaimer vorabstellen. Denn es gibt keine Menschen ohne eigene Agenda. Und dass Journalisten sich darüber beschweren, dass andere eine Agenda haben, zeigt nur die eigene Unreflektiertheit. Hinter dem Artikel von Herrn Heissler steht eine ganz klare Agenda und ich bin verwundert, dass sich die öffentlich Rechtlichen für eine solche hergeben. Da hätte ich mir mehr Recherche-Kompetenz erhofft.

[1] OpenLeaks

[2] Dissident on Databreaches.net 2015-12-28

[3] Dissident on Databreaches.net 2016-01-03

[4] Chris Vickery 2016-04-22 on Youtube

[5] James Tamperton on Wired.com 2016-04-22

[6] WP: Sony Pictures Entertainment Hack

[7] Tomas Rudl – Rätselraten um Angriff auf Bundestags-Netz, Netzpolitik.org 2015-05-21

[8] Abstimmung Bundestag 2012-06-28

[9] WP Gotfried Svarthold – Verhaftung in Kambodscha

[10] Robert Mackey – What Julian Assange’s War on Hillary Clinton Says About WikiLeaks, 2016 Aug 6th, The Intercept

[11] The Intercept – Profil von Robert Mackey

Glyphosat im Bier: Hier die betroffenen Marken mit genauen Werte und Untersuchungsbericht des Münchner Umweltinstituts

Heute geistert eine schlecht aufbereitete Meldung durch die Medien. Bei Tagesschau, SPON und co. fehlen sämtliche Hintergrund-Infos, wie der eigentliche Untersuchungsbericht des Münchner Umweltinstituts, sowie die betroffenen Biermarken.

Hier die fehlenden Infos:

Untersuchungsbericht (PDF)

Betroffene Marken

  • Augustiner Helles 0,46 μg/l
  • Beck‘s Pils 0,50 μg/l
  • Bitburger Pils 0,55 μg/l
  • Erdinger Weißbier 2,92 μg/l
  • Franziskaner Weißbier 0,49 μg/l
  • Hasseröder Pils 29,74 μg/l
  • Jever Pils 23,04 μg/l
  • König Pilsener 3,35 μg/l
  • Krombacher Pils 2,99 μg/l
  • Oettinger Pils 3,86 μg/l
  • Paulaner Weißbier 0,66 μg/l
  • Radeberger Pilsner 12,01 μg/l
  • Veltins Pilsener 5,78 μg/l
  • Warsteiner Pils 20,73 μg/l

Die EU entscheidet demnächst darüber, ob die Zulassung des Stoffes verlängert wird. Wer aktiv werden will, kann eine Petition von BUND unterzeichnen, um Glyphosat zu verbieten und Mensch und Umwelt zu schützen.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmid, der die ganze Sache herunterspielt und pro Glyphosat (eine Erfindung von Monsanto) argumentiert ist von der CSU. Dies bitte bei der nächsten Wahl bedenken.

Und wem unklar ist, was genau Glyphosat ist, hier eine Arte Dokumentation zu dem Thema:

Broken Apple #28 Fritz!App Fon + Bose Soundlink Mini II

Heute trägt Apple keine Schuld. Ob AVM oder Bose hier nachbessern müssen ist noch zu klären. Es geht um das Zusammenspiel von

  • Bose SoundLink Mini II Bluetooth Speaker [1]
  • Fritz!App Fon v3.0.1 unter iOS [2]

Das Bose Bluetooth Mini II fungiert als Lautsprecher und eignet sich, dank integriertem Mikrofon, auch als Freisprech-Einrichtung bei Telefonaten. Von iOS wird das Gerät erkannt und bei Telefonaten über Facetime oder die native Telefonie-App klappt es auch mit der Freisprechfunktion.

Die Fritz!App Fon von AVM (der Fritz!Box Hersteller aus Berlin) kann Telefonate vom Android- oder iOS-Gerät führen. Der Witz daran ist, dass dann das Mobilgerät als Festnetz-Telefon agieren kann. Also wenn beim Telefonvertrag kostenlose Festnetz-Telefonie enthalten ist, kann man so z.B. das iPhone genau dafür verwenden. Telefoniert wird dann von der Fritzbox aus über IP-Telefonie, also WLAN-Verbindung (oder 3G/4G/LTE) zum iPhone.

Bose SoundLink Mini II.png

Das Problem

Fritz!App Fon in Version 3.0.1 schafft es nicht, eine Verbindung zum Bose SoundLink herzustellen. In der Auswahl der Tonausgabe taucht das Bluetooth Gerät zwar auf, bei Anwahl hüpft die App allerdings sofort auf die Default iOS Tonausgabe zurück.

Das ist ganz klar ein Bug der AVM Software, da es mit Facetime und nativer Telefonie-App problemlos funktioniert.

AVM: Bitte hier nachbessern. Es gibt bestimmt einen Mitarbeiter in eurem Haus, der der Entwicklungs-Abteilung sein Bose SoundLink für eine Woche leiht.

Feedback

Habt ihr es geschafft, die Fritz!App Fon mit dem Bose SoundLink zu betreiben? Falls nicht, schreibt in den Kommentaren und – ganz wichtig – gebt Feedback an AVM, damit die Firma versteht, dass hier ein Fehler in ihrer Software ist.

[1] Bose Website for Soundlink Mini II
[2] iTunes Store link to Fritz!App Fon

#Landesverrat – Die politische Dimension

#Landesverrat: Die Politische Dimension der Ermittlungen gegen Netzpolitik Journalisten Andre Meister, Markus Beckedahl und Unbekannt (die Quelle der Dokumente)

Update 2016-09-13: Die Frage ob Justizminister Heiko Maas Generalbundesanwalt Harald Range eine Weise erteilt hat oder nicht, wird durch einen neuen Bericht erneut aufgeworfen. Warum Maas das Gutachten, welches Range bzgl. der ggf. einzuleitenden Ermittlungen von einem externen Gutachter einholen wollte stoppen wollte ist offen. War der Minister unglücklich darüber, dass das Gutachten tatsächlich zu Ermittlungen gegen die beiden Journalisten von Netzpolitik geführt hätte? In einem Vorabbericht äußert sich der Gutachter dahingehend, dass eines der beiden fraglichen veröffentichten Dokumente, tatsächlich für Landesverrat spräche. Die Frage stellt sich, ob Herr Range sich zumindest was diese Ermittlungen anbelangt, gar nicht so unklug verhalten hatte. Er hatte ein zweites externes Gutachten beauftragt. Dieses schien der Bundesregierung zu misfallen, so dass diese zunächst das Gutachten stoppen und als dies nicht gelang und Range die  unzulässige Weisung (?) des Justizministers ignorierte, Range entließ. Diese ganze Situation würde zumindest ein wenig erklären, warum Harald Range in diesem Interview ein so seltsames Bild abgibt. Heise berichtet „Belastender Bericht: Erklärungsprobleme für Maas in der Affäre Netzpolitik.org“ [1]

Update 2015-08-27: Wie Spiegel Online berichtet (2015-08-27 Affäre um Netzpolitik.org: Kanzleramt wusste früh von Landesverratsermittlungen) wurde das Kanzleramt bereits am 21. April 2015 über die Anzeige gegen Andre und Markus informiert. Folgende Aussage von Angela Merkels stellv. Regierungssprecherin Christiane Wirtz entspricht also nicht der Wahrheit.:

In diesem Fall war es so, dass das Bundeskanzleramt von den Ermittlungen aus den Medien erfahren hat. (53:15)

 

Range könnte zum Bauernopfer werden. Er scheint nicht die treibende Kraft bei der Idee zu den Ermittlungen gewesen zu sein. Die Verantwortlichen versuchen, sich aus der Verantwortung zu ziehen:

  • Justizminister Heiko Maas distanziert sich (Spiegel 2015-07-31 „Netzpolitik.org: Maas distanziert sich von Generalbundesanwalt“).
  • Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz Hans-Georg Maaßen distanziert sich ebenfalls und zwar durch die Behauptung, keine Strafanzeige gegen die Blogger gestellt zu haben sondern „lediglich“ gegen Unbekannt (also die Quelle, von der die Dokumente kamen). Das Gutachten vom BfV auf dem die Strafanzeige beruht, wurde übrigens als geheim eingestuft. Warum die Pläne des BfV, nun in die Massenüberwachung einsteigen zu wollen, überhaupt geheim sind, wird nicht klar. Immerhin geht es hier um Steuergelder in Millionenhöhe. Range widerspricht übrigens und sagt, dass im Gutachten die Journalisten namentlich genannt wurden.
  • Innenminister Thomas de Maizière, dessen Ministerium gab am 2015-04-16 die offensichtliche Falschaussage raus:
    Nein. Es liegen weiterhin keine Erkenntnisse zu angeblicher Wirtschaftsspionage durch die NSA oder anderen US-Diensten in anderen Staaten vor.
    Offensichtlich leidet man unter Realitätsverlust oder dreht sich die Wahrheit zurecht, wie es gerade paßt. Dass hier keine Einwände bezüglich der Strafanzeige kamen, verwundet also nicht und ergänzt nur das bisher gezeichnete Bild stimmig.

Das große taktieren beginnt also und jeder versucht seinen Hintern zu retten. Je genauer man hinschaut, umso mehr Unstimmingkeiten findet man. Ich kann nur jeden Journalisten und auch Bürger ermutigen, hier selbst aktiv zu werden. Das Kartenhaus wird sich nicht ewig aufrecht erhalten lassen.

1. Argument Maaßen

Anzeige „nur“ gegen Unbekannt und nicht gegen Journalisten gestellt.

Die Anzeige konnte ich leider nicht finden, vermutlich wie so vieles hier „geheim“. Grundlage für die Ermittlungen, die Mitte Mai begannen, war ein Gutachten des Verfassungsschutzes. „Gegen unbekannt“ meint in dieser Geschichte immer den Leaker, der die Fraglichen Dokumente  an Netzpolitik gegeben hat. Die Dokumente an sich sind harter Stoff, belegen sie doch, dass nun auch das Bundesamt für Verfassungsschutz in die Massenüberwachung einsteigen will. Die Ironie, dass die Ermittlungen wegen Grundgesetzwidriger Massenüberwachung eingestellt und Journalisten angegriffen werden, die über gefährliche Tendenzen beim Verfassungsschutz berichten, ist kaum zu übertreffen.

2. Argument De Maizière

Ich habe nichts gewußt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière will erst im Nachhinein informiert worden sein. Nur seine Staatssekretärin Emily Haber und der zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium seien vom BfV informiert worden. Dass aber, bei einem Vorgang dieser Tragweite (die letzen Ermittlungen wegen Landesverrats gegen Journalisten gab es 1982 im Fall von Konkret) der Innenminister nicht informiert werden würde, scheint nicht glaubhaft. Auch Markus Beckedahl äußert sich mit der Vermutung in Folge #149 von Logbuch Netzpolitik 2015-07-31:

Wenn der Präsident des Verfassungsschutzes Strafanzeige stellt, ist das mindestens gedeckt vom Innenministerium. Das hat sich heute bestätigt.

3. Argument Angela Merkel via Christiane Wirtz

Ich habe nichts gewußt. (siehe update oben 2015-08-27)

Exkurs Bundespressekonferenz

Interessante Erkenntnisse, während der Recherche: Eine Bundespressekonfernez ist nicht öffentlich. Veranstalter ist Bundespressekonferenz e.v. also ein Verein und Zugang haben nur Vereinsmitglieder. Die ganze Veranstaltung geschieht auf Einladung. Dokumentiert wird allerdings vom Bundespresseamt. Auf die Frage, warum keine Videos öffentlich zugänglich sind, teilt das Bundespresseamt mit, dass man nicht in eigenen Räumen sei und daher nicht filmen dürfe. Jedoch teilt Bundespressekonferenz e.V. mit, dass doch sehr wohl gefilmt würde. Aber wohl nur für interne Zwecke.

Schriftprotokolle gibt es immerhin. Diese sind öffentich und auf der Webseite der Bundesregierung zu finden. Warum nun die Videos nicht öffentlich sind, darauf konnte ich keine Antwort erhalten, bzw. nur die Antwort, dass die Pressekonferenz nicht-öffentlich ist und eben von dem Verein ausgerichtet wird. Das ganze Konstrukt wird logisch unstimmig und überholt. Weiß jemand mehr? Bitte in die Kommentare.

Bundespressekonferenz 03.08.2015 als Video

Wer noch nicht genug vom Eiertanz hat, der kann sich hier die PK vom 03.08.2015 ungekürzt ansehen. Da weder Bundespressekonferenz e.V. noch Bundespresseamt in der Lage sind, ein Video dieser Veranstaltung bereitzustellen, an dieser Stelle Dank an Thilo Jung, der unermüdlich Videos von PKs veröffentlicht.

[1] 2016-09-02 Belastender Bericht: Erklärungsprobleme für Maas in der Affäre Netzpolitik.org http://www.heise.de/newsticker/meldung/Belastender-Bericht-Erklaerungsprobleme-fuer-Maas-in-der-Affaere-Netzpolitik-org-3312845.html

Was ist los mit Generalbundesanwalt Harald Range

Druck von Aussen oder schlicht fehlende Kompetenz? Ich habe nichts persönlich gegen Herrn Range, nur darf es nicht sein, dass solch ein Mensch eine so wichtige Behörde leitet. Peinlich für die BRD. Statt Range könnte man wohl einen Roborter an dessen Stelle setzen, der dann die vorformulierten Antworten abspult.

Ist Ranges genüßliches schmunzeln bei 4:30 bzgl. „Journalisten die Infos rausgegeben haben“ schon ein Wink zu der am 30.07.2015 gestellten Strafanzeigen gegen Markus Beckedahl und Andre Meister von Netzpolitik.org? Die Antwort auf die Frage, ob Snowden befragt werden soll, lohnt es zu transkribieren (ab 4:10) :

Das steht im Augenblick nicht zur Debatte. Wir sind dabei mit (sic) im Rahmen unseres Konzeptes durch Zeugenvernehmungen zunächst einmal in Deutschland und durch weitere Ermittlungen auch die Dokumente mal versuchen in Augenschein zu nehmen, die Herr Snowden der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat, allerdings nur über Journalisten, die sie auch nicht ohne weiteres bis jetzt herausgegeben haben.

What the fuck? Wer das nun verstanden hat äußere sich bitte in den Kommentaren. Wir zumindest werden nicht schlau daraus.

Er will die Snowden Dokumente begutachten. Aber einschränkend fügt er hinzu, dass Dokumente nicht öffentlich gemacht wurden und damit zur Verfügung stünden. Warum fragt er nicht Snowden nach den Dokumenten oder Glenn Greenwald? Und was hindert ihn daran, die Dokumente die bereits öffentlich sind für seine Ermittlungen in Betracht zu ziehen? Davon gibt es mehr als genug. Ich spare mir hier eine Verlinkung, um nicht im Gefängnis zu landen (ah Einschüchterung funktioniert).

Ich versuche mich nun mal zu beruhigen, nehme die Zähne wieder aus der Tischkante und trinke einen Tee. Dann schaue ich mir an, wieviele Tage Harald Range noch im Amt bleibt.

Heute ist es immerhin schon 1 Tag, den er geschafft hat. Glückwunsch dazu.

UPDATE 2015-08-01: Die Einschüchterung wirkt nicht nur hier, sondern auch bei Tagesschau.de. Kai Gniffke lehnt ein Einstellen der fraglichen Dokumente bei Tagesschau.de ab.

Also haben wir heute geprüft, ob wir die beiden Dokumente, die netzpolitik.org veröffentlicht hat, nicht nur verlinken, sondern auch direkt bei uns auf die Seite nehmen. Als Akt der Solidarität. Als Zeichen dafür, dass wir es unerhört finden, dass man sich genau das Portal aussucht, hinter dem man die geringsten juristischen Widerstände vermuten kann. Deshalb gehört unsere Solidarität Markus Beckedahl und seinem Team. Tatsächlich haben mir Juristen davon abgeraten, die Dokumente bei uns einzustellen.

Broken Apple #27 – iOS 8.4 kills Home Sharing without telling users

There’s two things, Apple is really good at: 1. Making money and 2. Breaking existing functionality and workflows without informing customers.

We’ve seen this time over time and it is astonishing, Apple doesn’t take more heat from its customers. In OS X e.g., suddenly offline syncing of contacts and calendar data was gone. Users were forced into the insecure and privacy corroding cloud or use workarounds like setting up OS X server software which costs 19,99€. Functionality has returned after a fight, but oh boy was that annoying to deal with and unnecessary in the first place.

iTunes 12 Home Sharing

So, Apple did it again!

Home Sharing, a feature allowing users to share access to an iTunes library and stream that content to all iOS devices on the same WiFi, has been removed from iOS 8.4 without notice. Apple always misses the opportunity to be upfront about such things and inform users of changes in the release notes, where such things belong. While this is not the end of the world, it leaves users with a broken setup, scratching their head, why the f*** Apple just killed a great feature without telling them.

29$ Workaround

The Apple Remote.app allows you to control various iTunes libraries residing on OS X. But how do you stream the sound to your iOS device? You can buy Airfoil for your mac and then install the free Airfoil Speakers Touch iOS app (which has not been updated since 2012). This workaround is expensive, annoying to use, but it works.

Provide feedback to Apple!

If you are as annoyed as I am or have another workaround you’d like to share, do let me know in the comments. And as always: make sure to let Apple know that this move was a bad idea by sending them the following text:

Dear Apple,

I was really looking forward to the iOS 8.4 update. But after installing I discovered, that Home Sharing functionality was just gone. This is unacceptable. Whenever you do kill functionality, please do let users know, what will be missing, when they install a software update. iOS and OS X updates have become a big gamble – you never know what workflow will be broken or what key feature will be missing.

I urge you, to re-implement Home Sharing, since that is extremely useful functionality and I am severely missing it!

Thanks for listening to your customers!

Regards,